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 13.November 2006     "Mountainbiker´s Delight" im "Moyen Atlas"

Kenifra, Mittlerer Atlas, Marokko  

 

 

Nathalie - Selbstportrait

          Nach 4 Tagen in Chefchaouen haben wir beschlossen, mit dem Bus nach Fes zu fahren. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, denn eigentlich packe ich die Räder nur sehr ungern in den Rumpf eines solchen Gefährts. Trotzdem sind wir mit dem Entschluß zufrieden. Wir sind in der Stimmung für einen Ortswechsel - wenn wir hier blieben, bis ich wieder fit zum Radfähren wäre, würden noch ein paar Tage vergehen. Die können wir gleich in Fes verbringen. In diese älteste, der Königsstädte Marokkos, wollen wir sowieso eintauchen und sie ist nur gut 180 km entfernt. Eigentlich ein Wahnsinn ... da radeln wir ewig hinauf ins Rif - Gebirge und dann lassen wir uns die wohlverdiente Abfahrt entgehen. 

          Der Laderaum der CTM Busse in Marokko ist sehr groß. Die Räder lassen sich ohne größere Probleme gut verladen. Als wir dann aber losfahren, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob sie auch  wirklich dort bleiben, wo ich sie verstaut habe. Der Busfahrer fährt zielgenau jedes Loch in der Straße an - und davon gibt es nicht wenige. Wir sitzen hinten im Bus und heben nicht selten von den Plätzen ab. Hoffentlich passiert den Rädern nichts ! Zuerst schlängeln wir uns auf einer relativ engen Straße in Serpentinen den Berg hinunter (da blutet das Herz des Bikers!), anschließend geht es hinein in eine sanfthügelige bis flache Gegend in der sich Ackerfläche an Ackerfläche bis zum Horizont erstreckt. Manchmal vermitteln die verschiedenen Brauntöne den Eindruck, man sei auf dem tibetischen Hochplateau. Vereinzelt stehen Lehmhäuser, in traditioneller Bauweise erbaut, am Straßenrand. Esel werden intensiv für die Arbeit am Feld und zu Transportzwecken genutzt. Im kleinen Bereich wird noch auf die ursprünglichste Art, mit einem Zweiergespann, die Erde umgegraben - "Back to the roots" - auf der anderen Seite sind dann große Traktoren unterwegs, die die ewiglangen Felder nutzbar zu machen. Ausgeklügelte Bewässerungssysteme sammeln Wasser und verteilen es weitläufig. Langsam wird es dunkel. Wir haben auch noch Verspätung, und so kommen wir erst in der Finsternis in Fes am Busbahnhof an. Beim Fixieren meines Vorderrades paßt die Bremse dann nicht ganz. Ärgerlich. Ich kann das Problem vorläufig lösen. Als wir endlich im Hotel sind merken wir, wie anstrengend sogar eine Busfahrt sein kann. Wir sind fast so müde, wie nach einem Tag am Rad ;-)

Fes

          Fes, mit seinen über 1 Million Einwohnern , liegt auf ca. 415 m Seehöhe, und  ist die älteste der Königsstädte Marokkos. Die Medina von Fes el-Bali (Old Fes) ist eine der größten "lebenden" mittelalterlichen Städte der Welt und von der UNESCO zur "World Heritage Site" ernannt worden. An die 9400 schmale, gewundene Gassen zählt das Zentrum. Leicht geht man in dem Gewirr von Sackgassen und teilweise versteckten Souks verloren - das Navigieren durch das komplexe Straßennetz ist nicht einfach. Von den Dachterrassen der Häuser hat man einen beeindruckenden Blick auf die Dächer der Stadt und die sie in der Ferne umgebenden Berge. Absolut sehenswert ist auch die Lederfärberei von Fes. Seit Jahrhunderten wird nach den selben Prinzipien Leder eingefärbt. (siehe Fes Gallery "Impressions from Working at the Fes Tannery")

Tor am Eingang zur Medina Fes el - Bali

          Was gerade in so einer großen Stadt wieder sehr auffällig ist, ist die Diskrepanz zwischen denen, die etwas besitzen (und sei es auch nicht viel) und jenen, die wirklich nichts mehr haben. Oft sehen wir bettelnde Frauen oder Kinder bei kleinen Lokalen um Essen bitten. Fast immer erhalten sie entweder von einem der Gäste oder den Angestellten eine kleine Portion, welche den größten Hunger vorläufig stillt. Man mag zwar denken "Was können ein paar Dirham schon bewirken ?" - aber wenn man sehr hungrig ist, dann ist einem auch mit einer kleinen Mahlzeit schon geholfen. Als wir einer Mutter mit 2 kleinen Kindern eine Kleinigkeit geben, werden wir von dem Mädchen dankbar auf die Wangen geküsst. Eine alte Frau bedankt sich theatralisch, und berührt unser Herz. Man kann die großen Probleme nicht lösen, indem man einmal einen kleinen Betrag  spendet, aber ein voller Magen ist mehr Wert, als man vielleicht glaubt. Das Problem, das sich uns stellt ist, daß wir sehr häufig um Geld angebettelt werden. Kindergruppen fallen manchmal fast überfallsartig über einen her und fordern "Dirham". In der Medina wird für jede noch so kleine (nicht einmal erwünschte und eher schon aufgedrängte) "Hilfe" - wie das Zeigen eines Aussichtspunktes - ein gar nicht so kleiner Betrag verlangt. Diese Art von "Geldbeschaffung" sehen wir überhaupt nicht ein - wir versuchen da deutlich zu differenzieren.

Wasserträger

          Es geht uns kontinuierlich besser. Und es wird Zeit, daß wir wieder weiterfahren. Als wir am 8.November unsere Sachen auf die Räder packen, bemerke ich erst kurz vor der Abfahrt den "Platten" am Hinterrad. Ärgerlich. Hätten wir nur vorher mal kurz die Räder kontrolliert. Nun gut. Obwohl kein Hinweis auf ein "Trauma" zu sehen ist, tausche ich den Schlauch aus. Besser jetzt als während der Fahrt. So verlassen wir Fes um kurz vor 11 Uhr vormittags. Die Sonne scheint nach ein paar Tagen mit leichten Regenschauern wieder. 26°C zeigt das Thermometer. Kurs Richtung Süden auf den mittleren Atlas zu. Heute geht es die ganze Strecke immer nur bergauf. Wie wir aus der russischen Militärkarte herausgelesen haben, verläuft die Strecke zuerst mit nur leichter Steigung und richtet sich erst nach 30 km so richtig auf. Wir passieren riesige Olivenbaumbestände. Die Straße verläuft meist schnurgerade. Es ist deutlich weniger Verkehr als auf unseren ersten zwei Etappen im äußersten Norden des Landes. Wir kommen gut voran, als Nathalie plötzlich von hinten ruft, ich solle stehen bleiben. Sie glaubt, sie habe einen .... "Platten" !!

Die zweite Reifenpanne am Tag

Ich kann es kaum glauben. Haben wir erst vor ein paar Stunden Fes an meinem Hinterrad herumgebastelt, so müssen wir jetzt auch Nathalies Reifen von der Felge holen. Bei genauerer Untersuchung findet sich jetzt aber der Übeltäter ... ein Glassplitter hat sich seinen Weg durch den Mantel gesucht. Schon die ganze Zeit über haben wir neben der Fahrspur am schmalen Seitenstreifen die Unmenge an kleinen Glassplittern beäugt. Es ist leider nicht immer möglich, jedem einzelnen auszuweichen. Vor allem wenn uns Autofahrer bei Gegenverkehr an den Rand drängen. Eigentlich ist es nur ein Frage der Zeit gewesen. So versorgen wir den zweiten Reifen am Straßenrand. Wir setzen die Fahrt fort. 

Die Ausläufer der Berge zwingen die Straße sich in Form von weitgezogenen Serpentinen den Hang hochzuschlängeln. Viele Autofahrer winken uns wieder zu. "Bonne courage !" und ähnliche Ausrufe begleiten uns am Weg in die Berge. Der Gipfel des 1768 m hohen Jbel Abad am östlichen Ende des Massif du Kandar ist in Wolken gehüllt. Einen auf unserer Karte eingezeichneten Campingplatz finden wir nicht. So suchen wir uns in der Kleinstadt Imouzzer ein Nachtquartier. 

Richtung Ifrane

          Nach den fast 1000 Hm gestern wird das heute eine eindeutig gemütlichere Etappe. Die Steigungen sind flacher und langgezogener. Ifrane, eine kleine Stadt mit einer "Eliteuniversität", in der Unterrichtsstunden auch in Englisch abgehalten werden, ist unser Ziel. Die Strecke führt durch teilweise dichte Wälder, dann wieder über eine bis zum Horizont reichende steinige Hochebene. Hirten folgen den Schafherden in gemächlichen Tempo. Die Straße macht kilometerlang nicht die Andeutung einer Biegung. Schließlich erreichen wir Ifrane. Auf 1650 Hm liegt dieser in den 1930er Jahren von den Franzosen gegründete Ort. Rote Ziegeldächer, ganz untypisch für Marokko, zieren die Häuser, die in eindeutig europäischem Stil erbaut sind. Ganz in der Nähe befinden sich Schipisten ! Im Winter fallen große Mengen Schnee und verwandeln dieses ruhige Örtchen mit seinen großen Parkanlagen in ein "Wintersportzentrum". Obwohl wir uns das nicht wirklich vorstellen können. Gut, als Österreicher ist man dahingehend andere Dimensionen gewöhnt ;-)

          Gleich nach dem Ortsende biegen wir in eine kaum mehr als eine Autobreite messende kleine Nebenstraße ein. Laut unseren Nachforschungen müsste sie uns in die Nähe von Azrou bringen, abseits der größeren Hauptstraße. Wir haben 2 verschiedene Karten von Marokko und eine russische Militärkarte von dieser Gegend. Und alle beschreiben gerade die kleinen Wege in teilweise verwirrend unterschiedlicher Art. Auf der einen Karte existieren Pisten, die auf der anderen gar nicht aufscheinen, oder ganz woanders starten oder enden. Nun ja. Dieser Weg ist eine wirklich gute Idee gewesen. Durch Zedernwälder gelangen wir auf Lichtungen, die uns interessante Weitblicke eröffnen. Bei einer Pause in einer von Berbern geführten Gite (Hütte) erkundigen wir uns nach einer am Waldrand verlaufenden Piste. Sie führt zu einer 800-jährigen Zeder, einer "Sehenswürdigkeit", der Cedre Gouraud. 

Nathalie vor einer gigantischen Zeder

Genau dort wollen wir auch hin. Sehr steil soll es werden. Wir sind zuversichtlich, daß wir da raufkommen werden und radeln los. Innerhalb kürzester Zeit schwitzen wir wie die ... trotz der Höhe von über 1700 Hm hat es 26"C im Schatten. Die Wälder sind die Anstrengung wert. Außerdem hoffen wir hier "Barbary Apes" - die zwar Affen heißen, aber in Wirklichkeit eine Makakenart sind - anzutreffen. In großen Verbänden sollen sie hier vorkommen. Und tatsächlich ... bei der monumentalen Zeder können wir sie aus nächster Nähe beobachten. Da wird gelaust, geklettert, geschmust, gefaulenzt, aber auch die Rangordnung ausgerungen. Ein ganz frecher "Affe" wagt sich schließlich bis auf mein Rad vor. 

Frecher "Barbary Ape"

Nathalie kann ihn nur knapp davon abhalten, die Wasserflasche zu stehlen. Das dominanteste Männchen hat die Banane erspäht, die in der Fronttasche im Netzfach liegt. Schnell gebe ich sie ihm. Als ich den kleineren vertreiben will, erreiche ich nichts, außer ein paar äußerst beeindruckende Drohgebärden. Als wir dann weiterfahren sehen wir sie noch regelmäßig im Wald herumturnen. 

          "Jetzt wissen wir wieder, warum wir Mountainbikes haben !" sagt Nathalie, als wir uns auf einer über 12-prozentigen Steigung auf gröbsten Schotter zwischen faustgroßen Steinen durchmanövrieren. Richtig anspruchsvoll ist diese Piste geworden. Jetzt bloß nicht absteigen müssen, denk ich mir, als sich das Vorderrad an einer Rippe querstellt. Geschafft ! Hier im mittleren Atlas, sind das bis jetzt die spannendsten Radkilometer von ganz Marokko gewesen. Den Versuch über eine weitere Nebenstraße tiefer in die Bergwelt einzudringen, verschieben wir aufgrund von Wassermangel (und der fortgeschrittenen Stunde) auf Morgen. Wir drehen um und fahren einen 8 km Abstecher nach Azrou, dem nächsten Ort, um unsere Vorräte aufzufüllen und uns für die abgelegene Etappe auszuruhen.

Bis zum Horizont

          Wir hätten nicht gedacht, daß es noch toller werden könnte, aber da haben wir "einen guten Riecher" gehabt ;-) Kurz zusammengefaßt: So haben wir uns Mountainbiken in Marokko vorgestellt !!! Von Azrou nach Ain Leu, einem kleinen Berberort, geht es zuerst im Wald am Rand einer Gebirgskette entlang - immer wieder atemberaubende Ausblicke auf eine weite, kahle fast mondlandschaftsartige Gegend. Ganz im Kontrast zum bewaldeten Abschnitt folgt eine sanfte Abfahrt über ein kahles Hochplateau. Nur zwei Autos sind wir auf diesem Teil begegnet ! Ganz kurz ist es im Bereich von Ain Leu nötig auf die Landstraße auszuweichen. Wir essen "Tajine" (ein suppenartiger Eintopf) mit Gemüse und Huhn bei einer Auberge (Herberge), welche von 2 Berberinnen geführt wird. Hier erkundigen wir uns nach dem Weg nach Zaouia d´Ifrane, einem entlegenen Dorf am Fuße eines Hochplateaus, von dem sich Wasserfälle in die Tiefe ergießen sollen. "Mit dem Rad ist es nicht möglich dorthin zu kommen", sagt sie mir und schüttelt nachdrücklich den Kopf. So gut wie nur schlechte Piste, soll dort sein. Der Weg schwer passierbar. Normalerweise führen Guides Besucher mit Mulis (fürs Gepäck) in diese Gegend. Wir wollen es aber trotzdem probieren. Es ist 2 Uhr nachmittags. Die Strecke soll 15 km lang sein. Das sollte sich ausgehen. Und notfalls drehen wir um und übernachten hier.

Im mittleren Atlas

          Auf geht´s ... eine schmale, aber asphaltierte Straße zweigt vom Hauptweg ab. Wir machen noch Scherze: "... sie ist wohl schon lange nicht mehr dort gewesen ! Die Straße ist ja einfachst zu befahren ...!" Doch schon bald ändern sich die Verhältnisse. Kein Asphalt nur mehr steinige Piste - wie prophezeit. 

"Rough Road"

          Was nun folgt ist des "Mountainbiker´s Delight": "Dirt Tracks", von Regenfällen fast weggespülte Wegstücke, steile "Uphill"-Passagen auf steinigem Untergrund, anspruchsvolle Querrillen, staubige Erdpisten,... einmal stellt es mir das Vorderrad quer, da muß ich die letzten Meter der Steigung schieben, an ein aufsteigen ist auf dem engen Wegstück nicht zu denken. Mein Anhänger zieht nach unten, ich drücke nach oben ... fahren ist leichter damit ;-) Garniert ist das Offroad - Radabenteuer mit äußerst aggressiven Hundemeuten, die beim Vorbeifahren an Berberunterkünften, wie wild "ihr" Territorium verteidigen ... und es gibt keine Zäune !!! Ich schreie den ersten Hund laut an ... er bellt noch lauter, fletscht die Zähne, stellt die Nackenhaare auf (ich übrigens auch ;-) Den Pfefferspray, den wir am Rad für den äußersten Notfall mitführen, habe ich "schußbereit" in der rechten Hand. Ich hebe Steine auf, werfe sie nach dem Hund. Nur kurz verzieht er sich. Wir fahren unbeirrt weiter. Einmal geht das Pferd eines entgegenkommenden Berbers durch, weil die kläffende Meute hinter uns nicht von uns ablassen will. Zum Glück kommen wir ohne Verletzungen davon. Die Weitblicke sind noch atemberaubender als gestern. Wir sind fasziniert von der abwechslungsreichen Strecke. Das Problem ist nur, daß an Weggabelungen nichts angeschrieben steht. Einmal fragen wir vorbeikommende Frauen, dann wieder sind wir allein und verlassen uns auf unser "Gefühl". Lange begegnen wir keiner Menschenseele. Mitten im mittleren Atlas in wilder Natur ... ein Geheimtipp ! 

Offroad

Langsam wird es später Nachmittag ... wegen der schwierigen Wegbeschaffenheit brauchen wir viel länger als gedacht. Zurückfahren wäre sinnlos. Da taucht plötzlich ein steil ins Tal abfallendes Hochplateau am Horizont auf. Wasserfälle ergießen sich von der Hochfläche. Am Grund schmiegt sich ein Ort an das Naturwunder - wir sind da !!!

Wasserfall bei Zaouia d´Ifrane

          Wir es der Zufall so will kommen wir mit einem jungen Berber ins Gespräch. Wir könnten bei ihm übernachten. Außerdem würde er uns als Ortskundiger herumführen. So landen wir in einem einfachen Haus und lernen das Leben der Einheimischen von seiner ursprünglichen Seite kennen. Wir schlafen am Boden auf zusammengelegten Teppichen. Im Hauptwohnraum, in dem sich ein kleiner Ofen befindet werden wir freundlich bewirtet. Mit meinem "Basisfranzösisch" kann ich mich mit unserem Gastgeber wenigstens etwas unterhalten. Hicham ist 20 Jahre alt. Gelegentlich arbeitet er als Führer und wandert mit Besuchern, meistens mit Mulis, in die Bergwelt des mittleren Atlas. Außerdem arbeitet er in der Landwirtschaft. 

Hartes Leben

Sein Vater bestellt, wie er auch, die Felder auf traditionellste Art und Weise. Hart ist die Arbeit mit den Muligespannen und dem Pflug in den Feldern der Umgebung. Der "Dorfgendarm" kommt und nimmt unsere Daten auf. Ausländische Besucher werden polizeilich registriert - der Sicherheit wegen. Der Gendarm hat anscheinend herausgefunden, dass wir Ärzte sind... und möchte eine Salbe gegen seine Rückenschmerzen. Wie es der Zufall so will, führen wir seit Fusch am Großglockner eine Tube mit uns herum. Wir nützen die Gelegenheit ... und schenken sie ihm. Für die Knieschmerzen der Großmutter des Hauses haben wir leider nur ein paar Tipps auf Lager. So groß ist unser Medikamentendepot nun auch wieder nicht. 

Am nächsten Vormittag geht es mit unserem "Guide" aufs Plateau. In unserem Reiseführer ist nichts über dieses versteckte Paradies zu lesen. Eigentlich erstaunlich, dass sich so ein Naturwunder diese Ursprünglichkeit behalten hat. 

Im Haus unserer Gastgeber

          Nach einem "Mittagssnack" starten wir mit unseren Rädern zu unserer nunmehr fünften Etappe in Folge. Hicham hat sich extra ein Rad ausgeborgt, um uns eine nicht gekennzeichnete Piste zu zeigen. Das Radfahren ist er nicht gewohnt, doch er möchte uns unbedingt bis zur Landstraße begleiten (auch, wenn wir dem Weg auch allein folgen könnten). Wieder Offroad, wieder tolle Umgebung, wieder brennt die Sonne ... 

Durst

Bikerherz was willst du mehr. Ab Mrirt, einem unspektakulären Ort an der Nationalstraße, fahren wir alleine weiter. Bis Kenifra sind es noch 31 km. Meist bergab, rasen wir schon förmlich, dem Tagesziel entgegen. In Serpentinen schlängeln wir uns in tiefere Gefilde. Bei einer Tankstelle schreit mir ein Tourist nach. "Österreich ?!?" "Ja, aus Wien ...", dann werde ich von einem Salzburger über die Reise ausgefragt. Die erste Begegnung mit einem Landsmann seit der Fährfahrt. 

          Schließlich "überschattet" noch ein eigenartiges Erlebnis die Ankunft in Kenifra. Zwei halbstarke Jugendliche fühlen sich genötigt uns mit ihren Rädern nachzufahren. Eigentlich nichts ungewöhnliches in der Nähe von Städten. Penetrant fährt der eine vor uns und wird langsamer. Etwas genervt schreie ich "Attention !" Ein Sturz ist das letzte, was wir brauchen können. Was er damit bezweckt, frage ich ihn verärgert. "Dein Rad !" ist seine freche Antwort. Gefährlich nahe kommt mir der ungute Geselle. Sein Freund fährt hinter Nathalie. Sie hat von seinem Gerede nichts mitbekommen. Ich denke mir nur, jetzt nur nicht stehenbleiben. Noch 4 km bis zur Stadt. Ich zücke meinen Pfeffferspray und habe ihn verdeckt in der Hand. Nun gut ... los werden wir die zwei wohl nicht so schnell, dann verwickle ich ihn halt in ein Gespräch, den Redelsführer. So plaudern wir über alles mögliche. Ich erzähle, daß ich Fabrikarbeiter bin... Nein, das Rad ist nicht teuer, es ist schwer und behäbig... Ich bin aus Österrich - Wo wohnst du denn ? Tolle Stadt ! .. So vergehen die Kilometer und wir erreichen den Ort. Beim erstbesten Hotel kehren wir ein. Unsere Begleiter fahren davon. Hat ja gut funktioniert, das "Deeskalationsgespräch" !

On the "Asphalt"-Road again ...

          Hier in Kenifra machen wir einen Tag Pause. Die Räder müssen nach der staubigen Fahrt gereinigt werden und wir wollen uns mal richtig ausschlafen. Der Hohe Atlas wartet auf uns. Da werden uns solche Pisten auf bis zu 2700 Hm hinaufbringen. Wenn das mal gut geht ?!

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