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Chile

21.März 2007  El Chalten, Provinz Santa Cruz - Argentinien

          Zwar ist Villa O´Higgins im Rahmen eines Projektes, durch Mithilfe der Bill Gates-Stiftung mit einer Art "Bibliothek" und Computern, die freien (nervenaufreibend langsamen :-) Internet-Zugang bieten, ausgestattet worden, doch ist mir dort der Zugang zu unserer Webpage-Administrationsseite verwehrt geblieben. Der folgende Eintrag erblickt somit etwas verspätet das virtuelle Tageslicht. 

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 16.März 2007     "Fin del Camino" - Am Ende der Carretera Austral

 Villa O´Higgins, am nördlichen Ende des Lago O´Higgins, Chile  

 

"Als Gott die Welt erschuf, hatte er von allem noch eine Hand voll übrig - Urwaldstücke, Berge, Wüstenfetzen, Flußschlingen, Wasserfälle, Vulkane, Fjorde und Eis - und er tat das alles in seine Hosentasche. 

Aber da war ein Loch drin, und als er durch den Himmel schritt, rieselte alles heraus. Die lange Spur, die er auf der Erde hinterließ, war Chile."

 
Land der Kontraste
 
 
- Märchenwald bei namenloser Lagune -
 

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Trübe Aussichten ?

           Ein Amerikaner, der uns mit seinem Pick-Up Wohnmobil und 2 edlen Holz-Seekajaks am Dach in Cochrane begegnet - "Aaaah, B.O.B. Trailer (unsere Anhänger), Thud Buster (die gefederte Sattelstütze) und Ortlieb Packs (die wasserdichten Packtaschen) ... das hab´ ich auch !" - meint, das es laut Online-Wetterbericht die nächsten 14 Tage Regen geben wird ... beginnend mit morgen ! Na wunderbar ! Wetterprognosen sind schon für die kommenden Tage mit Vorsicht zu genießen, aber für 2 Wochen ... das stimmt dann meist schon gar nicht. Trotzdem, irgendwie hat uns die (eventuelle) Aussicht auf die Wetterverschlechterung etwas die Reiselust genommen.

Eigentlich wollten wir bis Villa O´Higgins in 5 bis 6 Tagen durchfahren, sogar eingekauft haben wir für die Woche ohne jegliche Siedlung schon. In 7 Tage würde ein Boot Richtung argentinischer Grenze gehen. Das kann funktionieren ... aber dieser Zeitplan würde uns keine Zeit für etwaige Abstecher ins Umland des "Fin del camino", des Endes der Straße lassen. So überlegen wir, planen um, werfen wieder alles über den Haufen ... und bleiben dann noch eine Nacht ! Wir entsagen dem Zeitdruck und machen statt dessen einen Trip ins Nahe Naturschutzgebiet "Tamango", welches die größte Population an Huemules, eine hirschähnliche Wildart, die vom Aussterben bedroht ist, beheimatet. 

Carpintero - der chilenische Specht

          Die karge Landschaft mit den fischreichen Seen erkunden wir auf einer Wanderung. In der Nacht fegt ein immer stärker werdender Sturm über das Land. Das Zelt steht stabil in den heulenden Böen, nur das Tarp hält der Kraft der Winde nicht stand. Um 2 Uhr in der Nacht müssen wir das flatternde Ungetüm bändigen, schließlich bauen wir es ganz ab. In der Früh ist es kalt. Aber die Sonne scheint und beginnt uns langsam aufzuwärmen. 

Aufbruch zur letzten Etappe

          In Cochrane kaufen wir noch ein paar Empanadas (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen) für den Abend ein, dann brechen wir auf, um das letzte Teilstück der Carretera in Angriff zu nehmen. Noch circa 230 km trennen uns vom Ende der Ruta 7. Wir haben für gut eine Woche Essen dabei, daß sollte für die Strecke reichen (1-2 "Zusatztage" rechnen wir immer ein, man weiß ja nie - sei es Schlechtwetter, das einen zwingt zu ruhen, oder eine Wandermöglichkeit). Gedanklich rechnen wir mit dem schlimmsten: Wieder ein "Steil bergauf" - Schild nach dem anderen ... und es kommt ganz anders als gedacht. 

Lago Esmeralda

          Bei anhaltendem Sonneschein und gelegentlich leichtem Rückenwind kommen wir gut voran. Kaum mehr Autos sind unterwegs. Mit Anfang März ist nun auch die "Ferienzeit" der Chilenen vorbei, so kommt gerade mal gelegentlich ein Einheimischer mit seinem Pick-Up der Straße entlang. An manchen Tagen begegnen wir insgesamt nur 3 Fahrzeugen ! Da wir Caleta Tortel, einen Ort am Meer, an der Mündung des Rio Baker in die Fjorde der Westküste, der nur über ein Holzstege-Wegnetz verfügt, nicht anfahren werden, haben wir bis Villa O´Higgins über 200 km Einsamkeit vor uns. Der erste Teil der Route läßt immer wieder die Sicht auf bläulich vereiste Bergriesen des Campo de Hielo Norte zu. Vorbei an Lagunen und Seen um die sich die Piste schlängelt geht es wieder hinein in dichtere Wälder. 

 

Brot toasten am morgendlichen Feuer

"Hochplateaucamp" über Laguna Larga

 

          Am zweiten Tag wundern wir uns nicht wenig, als wir - ohne es richtig zu merken - gestern anscheinend die erwartete Steigung schon "bezwungen" haben. Nach 2 Serpentinen bergauf folgt eine fast 7 km lange Abfahrt ! Für Carretera Austral Verhältnisse ist das unvorstellbar lange !!! Auch der weitere Verlauf läßt uns manchmal an der Straßenführung zweifeln ... "Sind wir noch am richtigen Weg ?!?" Fast zu schnell geht es dahin. Und dann auch noch ein Traumplatz für unser Zelt bei einem versteckten kleinen Zugang zum Lago Vargas. 

 

Lagerfeuer in der Abenddämmerung

"Seecamp" am Ufer des Lago Vargas

 

 

Höhenflüge unter Tiefdruckeinfluß

          Das Wetter wird langsam aber sicher etwas unbeständiger. Zuerst nur leichte Regenschauer in der Nacht, dann tröpfelt es auch untertags immer wieder. Noch einmal gelangen wir an die Ufer des Rio Baker, der inzwischen eine beachtliche Breite erreicht hat. Bald zweigt dann die Straße nach Caleta Tortel ab, die erst seit 2003 besteht. Wir lassen sie "rechts" liegen und stechen steil über einen "knackigen" Paß den dunklen Wolken entgegen. 

 

 

Nur der Wald und die Straße

          Das Schild am Straßenrand besagt, es sind noch 30 km bis Puerto Yungay, dem Ort der letzten Fährfahrt, unsere Karten meinen 21 km oder auch 24. Für den motorisierten Reisenden mag dieser "kleine" Unterschied vielleicht keine Bedeutung haben, für den reisenden Radler hingegen sind bis zu 9 vielleicht steile Kilometer, aber unter Umständen eine lange Zeit. Diese Ungenauigkeiten sind wir mittlerweile zwar schon gewohnt, wir wundern uns trotzdem über die Unfähigkeit eine Strecke vielleicht einmal zu vermessen. Einem anstrengenden Paß folgt ohne viel Umschweife gleich der nächste. In ausgesetzter Art und Weise ist der Wegverlauf aus einer jäh abfallenden Steilwand herausgesprengt worden. So purzeln die Kilometer nicht mehr, viel mehr will jeder Meter intensiv ausgekostet werden. 

 

Urige Einsamkeit

          Die urwüchsige, fast urzeitlich anmutende Kulisse der namenlosen grünen Bergwelt, von denen sich unzählige Wasserfälle in die Tiefe stürzen, macht die Qual etwas erträglicher. Wie der reißende Fluß am Fuße der majestätischen Riesen, so fließt auch der Schweiß in Strömen. Das undurchdringliche Dickicht macht das Auffinden eines geeigneten Zeltplatzes zur Glückssache. Nach einigen Fehlversuchen, werden wir bei einem der Erkundungsgänge ins feucht-moosige Geäst fündig. 

Wir nehmen den Pfeil (w)örtlich, und tragen die Räder in den Busch

Der exponierte Platz mit Blick auf den Fjord Michell im Hintergrund, von dem auch die Fähre ablegt, läßt gerade genug Freiraum für unsere kleine mobile Behausung. 

 

Exponierter Zeltaufbau

"Dschungelcamp" nahe Fjord Michell

 

          Um mit unseren Rädern diesen exklusiven Ort zu erreichen, müssen wir die Anhänger, Taschen und Räder einzeln in den "Regenwald am Straßenrand"  tragen. Farne, Flechten, Moose ... der etagenartige Verlauf des Blätterdaches in den Absturz vor dem Zelt ist atemberaubend. Über uns thront ein Gletscher, der die Wasserläufe nährt, die sich wie ein Aderngeflecht an den Berghang schmiegen. Am folgenden Morgen verhüllt die tief hängende Wolkendecke den Blick auf unseren Wächter aus Schnee und Eis. Wir frühstücken im Zelt. 

Der Kaffe ist gleich fertig

 

Wieder auf Meeresniveau

          Da wir ja nicht wissen, wie lange die verbleibende Strecke nun wirklich ist, planen wir großzügig. Die 12 Uhr Fähre wollen wir erreichen - drei mal am Tag quert das Boot den Meeresarm. Als wir schließlich nach nur 2,5 km am Hafen ankommen, sehen wir sogar noch die 10 Uhr Fähre davonfahren. Die 30 km vom Abzeig des Straßenschildes sind eindeutig die falscheste Information gewesen ;-) Die Pause nützen wir zum Nichtstun und Essen am Strand. 

Fiordo Michell

          Diese Schiffsverbindung ist sogar gratis, vielleicht eine Idee, den entlegenen Süden für Reisende attraktiver zu machen ?! Auf jeden Fall machen unsere Räder gleich die Hälfte aller Fahrzeuge an Bord aus - noch ein Motorrad und ein Auto lassen den Rumpf der Fähre wie leergefegt wirken. 

Die ruhige Überfahrt dauert knapp 50 Minuten. Am Anleger wartet ein Bus, der die Einheimischen und die wenigen Rucksackreisenden 2 Mal wöchentlich aus Villa O´Higgins nach Cochrane bringt. Eine kleine, leere Schutzhütte, sonst ist da nur der Beginn des finalen Streckenteils. Wir sehen die Fähre ablegen, als wir den Ufern des Rio Bravo entlang nach Südosten holpern. Der Motorradfahrer ist an uns vorbeigebraust, ebenso der Geländewagen. Nur wir sind langsam. Wir haben Zeit - oder besser wir nehmen uns die Zeit. 

 

River Crossing - "Old School"

Furten - Flüsse queren, wie zu Zeiten, ...

... als es noch keine Brücken gab

 

          So finden wir bald einen fast an frühere Kanu-Camps erinnernden Rastplatz. Gut, die Räder müssen wir durch sandige Passagen an diesen durch Schwemmholz verdeckten Strand schieben, aber die kleine Mühe lohnt sich. 

 

Die Kunst des Tarpverspannens

"Flußcamp" am Rio Bravo

 

Gelegentlich lassen die schnell ziehenden Wolken noch die Sonne durchblitzen, dann wird es auch richtig warm, doch als wir uns gerade nackt in den eisigen Fluten waschen fegt uns nur ein kalter Wind um die Ohren. Sauber werden wir trotzdem. Und vor allem sehr schnell trocken ;-) 

          Der endgültige Wetterumschwung ist da. Der Luftdruck sinkt rapide. Aus Regenschauern wird Dauerregen. Wir warten zwar unter dem Tarp am Vormittag auf ein Wunder, aber gegen Mittag brechen wir trotzdem auf. In Regengewand gehüllt ist der Blick auf die Straße gesenkt. 

Mit dem Druck, stürzen auch die Temperaturen

Nach der ersten, von 2 laut Karte prognostizierten Steigungen, machen wir unter einer Brücke Pause. Unter dem Regenschutz schwitzen wir auf den oft über lange Strecken steilsten (bis 19 %), kräftezehrenden Anstiegen, die kurze Abfahrt läßt uns sofort frieren. So wechseln wir die nasse Wäsche und kochen (ausnahmsweise) sogar eine Suppe. Wieder in die naß-kalte Regenjacke hinein und in den kalt-nassen Regen hinaus freut uns gar nicht. Der nächste Anstieg bringt auch gleich den befürchteten nächsten Schweißausbruch. Ewig zieht sich der nicht enden wollende Verlauf, der uns kontinuierlich höherschraubenden Fahrt in die Wolken. Um die Anhöhe bläst ein heulender Wind, Wolkenfetzen lassen die felsige Umgebung noch unwirtlicher und abweisender wirken. Wir bremsen uns auf der anderen Paßseite in ein von Lagunen übersätes Hochtal hinunter. Gletscher lassen sich im Wolkenmeer nur erahnen. Am Rande eines Moors finden wir in einer Art Schottergrube einen geschützten Platz für die Nacht. 

 

Wasservorräte aus einem Tümpel

"Moorcamp" im Tal des Rio Colorado

 

Wir verlassen das Zelt nur für "dringendste Bedürfnisse". Hoffen wir, wegen ein paar Flecken blauen Himmels, am Vormittag der wahrscheinlich finalen Etappe (sollte nichts gröberes passieren) erneut auf ein "Wetterwunder", so werden unsere insgeheimen Ahnungen von dem Luftdruckverlauf des Barometers nur bestätigt. 

Bald am Ziel

Nur kurz zerreißt die Wolkendecke ...

... der skeptische Blick traut der Ruhe nicht

          Es regnet sich erneut ein. Die Aussicht auf das Erreichen des Endes der Ruta 7 läßt uns aber den Wetterkapriolen trotzen und sehr schnell vorrankommen. Einzig der oftmals verwehrte Blick auf die uns so faszinierende Landschaft trübt das Gemüt. Das erste Mal sehen wir Villa O´Higgins von einer Anhöhe über dem Lago Cisnes aus. Die kleine Siedlung am Fuße des Cerro Santiago ist bald erreicht. Die Straße macht dann interessanterweise einen 15 Kilometer - "Schlenker", anstatt einfach den logischer erscheinenderen und viel kürzeren, direkten Verlauf einzuschlagen. Aber auch da "fliegen" wir förmlich drüber. 

Villa O´Higgins

          "Bienvenido a Villa O´Higgins" - das kleine Schild am Anfang der Siedlung symbolisiert gleichzeitig das Ende der Ruta 7. 

Danke, wir freuen uns auch wirklich !

Ab hier stellt sich ihr das südliche Inlandeis als unüberbrückbares Hindernis in den Weg. Für diese Gedankenspielereien haben wir aber im Moment keinen Sinn. Der kurze Stopp bringt uns in der feuchten Kälte zum Frösteln. Wir suchen uns ein Quartier. Die Straßen sind wie leergefegt. Nur 2 Pferde trotten gemächlich durch den Ort. Bei einer Hospedaje begegnen wir den Besitzern der Unterkunft im Auto auf der Straße davor. "Ja, eine Cabana hätten sie auch !" Wir sollen ihnen folgen - da brausen sie davon. Wir nehmen die Verfolgung auf. Sie verlassen den Ort Richtung Lago O´Higgins. Nach einem halben Kilometer winken wir ihnen. Wo soll die Hütte denn bitte liegen ? "Nur ein Kilometer  noch !" Und schon sind sie wieder weg. So weit außerhalb der Siedlung wollten wir ursprünglich nicht wohnen, aber wir sehen uns die Sache halt einmal an. Aus dem Einen werden drei Kilometer. Aber die Lage überzeugt uns. Alleinstehend auf einem bewaldeten Grund, direkt am Rio Mosco gelegen. 

Der Blick aus dem Fenster auf das breite Flußbett des Rio Mosco

Da nehmen wir die Fahrten in den Ort gerne in Kauf. Und der Holzofen hebt nicht nur die Körpertemperatur, sondern auch das Gemüt. Die Läden haben heute alle zu, so leben wir noch einen Tag von unseren Vorräten. Mit vollem Magen wird uns erst so richtig bewußt - wieder ist ein Ziel erreicht !

 

"Wo der Teufel seinen Poncho verlor ... "

Glaciar Mosco

          Dieses chilenische Sprichwort, steht für Orte "am A... der Welt". Ist schon Villa O´Higgins so ein Platz, so stellt das Hinterland um diesen Outpost wirklich ein menschenleeres Gebiet dar. Wir haben uns entschlossen, dem Verlauf des Rio Mosco bis zu seinem Ursprung, dem Glaciar Mosco, zu folgen, und diesen Poncho zu suchen. Mal sehen, ob wir dieses verdammte Ding finden. 

 

 

Stiller Wächter über dem Tal

          Schon am Vorabend haben sich die Wolken gelichtet. Die Schneefallgrenze ist nur knapp über 1500 m gelegen, so sind fast alle umliegenden Gipfel angezuckert. Ein weißer Riese wacht eindrucksvoll über dem Tal in dieser sternenklaren Nacht. Mit schwerem Gepäck und ausreichend Essen brechen wir für einen 2-Tages Trip in die Berge auf. 

Mit 110 Liter-Rucksack Richtung "Trailhead"

          Die Räder wollen wir bei den Carabineros unterstellen. Als wir dort eintreffen werden wir freundlich empfangen. Natürlich können wir die Stahlrösser bei ihnen lassen. Dann fragen sie nach unserem Vorhaben. "Glaciar Mosco !" - da blicken sie etwas besorgt drein und erkundigen sich sofort nach unserer Ausrüstung. Der Weg ist gefährlich, die Felsen lose, die Steine naß, ... Wir müssen uns registrieren. 16 Uhr am folgenden Tag geben wir als Rückkehrzeit an. Falls wir bis dahin noch nicht da sind, werden sie nach uns suchen. In ein Buch wird ein A4-Seiten langer Bericht über unser Unternehmen angelegt. Unsere Daten werden notiert, dann Unterschreiben wir den Akt. Mit über einer halben Stunde Verspätung brechen wir dann endlich auf. 

Der Lago O´Higgins ist mit über 800m Tiefe der fünfttiefste See der Welt 

          Wir folgen einem Pferdetrail in den Wald. Vom Regen der vergangenen Woche ist der Untergrund teilweise knöcheltief verschlammt. Bis zu einem - dem einzigen - Refugio in der Region könnte man auch mit Packpferden gelangen. Hier lassen wir den großen 110 Liter-Rucksack und gehen nur mit einem kleinen Backpack weiter. Der schmale Pfad durch eine wilde, einsame Bergwelt orientiert sich am immer kleiner werden Rio Mosco. 

Glaciar Blanco

          Die weißen Gletschermassen des Glaciar Blanco mit den dazwischen vorscheinenden, tiefschwarzen Steilwänden lassen die Gedanken an eventuelle Besteigungen dieser nur sehr schwer zugänglichen und versteckten Juwele kreisen. In dieser Abgeschiedenheit sind Begehungen auf bis heutzutage unberührtem Gelände noch möglich. Nach den Einmündungen der Rios Turbio und Claro queren wir das hierorts ungewöhnlich weite Flußbett. 

Die Umgehung der ersten Schluchtenge

Vor uns ragt nur eine schmale Schlucht in die Höhe, aus der der Rio Mosco hervorgeht. Der mäanderförmige Verlauf des blaugrauen Gletscherflusses, der die eisigen Fluten stellenweise bis an den Rand der senkrechten Wände heranführt, macht waghalsige Aufstiege auf die mit nassem Moos bedeckten, schieferartigen Gesteinsplatten am Abgrund nötig. Nach der ersten Überschreitung einer Engstelle folgen wir dem Gewässer wieder am Talgrund. 

Da donnert es urplötzlich. Der gewaltige Knall lässt uns zusammenzucken. Wir vermuten ein Stück des unserem Blick noch verborgenen Gletschermassivs ist abgebrochen und rauscht in die Tiefe. Da sehen wir aber auch schon den wahren Grund für das markerschütternde Grollen. Vom Gegenhang in ein paar hundert Meter Entfernung haben sich riesige Gesteinsmassen gelöst und stürzen nun in einer zig Meter hohen Staubwolke Richtung Senke. Der in weitem Bogen geschoßförmig zu Boden rasende Steinschlag läßt mich instinkitv die Nähe der anderen Felswand suchen. Aufgrund der Distanz sind wir nicht in Gefahr, aber dieses Ereignis schärft unsere Sinne - wir setzen den Weg noch vorsichtiger und aufmerksamer fort. 

Nah an der Gletscherzunge, und doch so fern

Kurze Aufschwünge, eigentlich leichte Kletterpassagen, sind mittlerweile nötig um die nächste Engstelle zu umgehen. Wir probieren verschiedene Varianten aus. Aber der in Südausrichtung, also fast immer im Schatten liegende Wandteil der Schlucht (auf der Südhalbkugel steht die Sonne zu Mittag im Norden) ist so durchfeuchtet, daß wir ein weiteres Risiko nicht eingehen wollen. Wir gehen nicht weiter. Nicht auf diesem Wege. 

          Vielleicht können wir den Fluß queren ?! Die andere Seite könnte uns näher an die Gletscherzunge heranführen. Ich probiere ohne Schuhe und Hose, nur mit den Wanderstöcken "bewaffnet", das reißende Hindernis zu überwinden. Die Steine sind glatt und rutschig. Zwar finden die Stöcke (wackeligen) Halt, doch das eisige Wasser läßt meine Beine gefrieren. So bleibt es bei einem, wenig glorreichen, Versuch. Stimmt nicht ganz ... nachdem wir den Flußteil mehrfach abgegangen sind probier´ ich es noch einmal. Leicht fällt das Aufgeben nicht. Aber wir folgen unserem Gefühl und kehren um. 

Nach dem Abbruch der Tour

          Es ist zwar schade, daß der Endpunkt unserer Wanderung nur eine von steilen Felswänden umgebende Schlucht mit sehr begrenztem Horizont und nicht ein mächtiger Gletscher mit Weitblick ist, dennoch sehen wir die Unternehmung als Erfolg. Wir kehren Heil zurück und haben einen Einblick in ein sehr abgeschiedenes, exklusives Eck dieser Welt gehabt. Da wir somit früher als geplant wieder beim Refuge, der Schutzhütte sind, schultern wir das restliche Gepäck auch noch und treten gleich den kompletten Rückweg in unsere Cabana ins Tal an. Nach insgesamt 10 Stunden (8 davon reine Gehzeit) sind wir wieder im Tal. 

Ach übrigens, was das Cape anbelangt ... wir haben es NICHT gefunden ;-)

 

An einem sonnigen Nachmittag ...

 

 

 

 

 

 

The Art of River Crossing - Rio Mosco

 

New !!! Carretera Austral  - Entlang der legendären Straße der Pioniere  >>    

          Durch heftigste patagonische Stürme in einem kleinen Boot vorbei an 70 m hohen Gletscherabbrüchen zum chilenischen Grenzposten und weiter über verschlammte Wanderpfade in eisigem Regen nach Argentinien bis zu den legendären Granitfestungen Fitz Roy und Cerro Torre. 

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